Die Kindergärtnerin mit ihrem Sohn. Der Polizist mit seiner Frau und zwei Kindern. An sie denkt Michael Kiesewetter, wenn er über geförderten Wohnraum spricht. „Wenn wir über öffentlich geförderten Wohnraum sprechen, dann sprechen wir nicht nur über Transferempfänger, die eine Wohnung brauchen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der NBank im Agenda Niedersachsen-Podcast. Die Wohnungsnot sei ein Thema, „das wirklich in die Mitte der Gesellschaft hineinreicht“.
Land und NBank haben deshalb die Einkommensgrenzen für geförderten Wohnraum angepasst. Seit dem 1. Juli lässt sich die neue Wohnraumförderung beantragen.
Steuergeld-Förderung für die breite Mitte – das dürfte manchem Ordnungspolitiker Sorgen bereiten. Kiesewetter lässt diesen Einwand aber nicht gelten: „Selbst wenn man sehr ordnungspolitisch argumentieren würde, das nutzt dem Menschen, der eine Wohnung sucht, überhaupt nicht. Das Problem ist ja da!“ Für Kiesewetter geht es auch um sozialen Zusammenhalt. Die Förderung sinkt, je mehr Miete jemand zahlen kann. So entstehen gemischte Quartiere statt sozialer Brennpunkte von morgen.
Bleibt das Problem ungelöst, stärkt es nach Kiesewetters Worten die politischen Ränder. Als Beleg nennt er den Erfolg der Linkspartei in Berlin. Sie habe bei der letzten Bundestagswahl „das Thema Wohnen massiv gespielt“.
Lobbyismus in den DIN-Normen
Förderung allein löst das Problem nicht. Das räumt Kiesewetter offen ein. Man könne nicht „alle Preissteigerungen wegfördern“. Materialkosten und Zinsen ließen sich nicht senken. Also müsse man einfacher bauen. Dabei nimmt er auch die DIN-Normen ins Visier: „Viele DIN-Normen sind richtig, aber ich würde sagen: Da ist durchaus auch ein bisschen Lobbyismus eingeflossen bei der einen oder anderen Ausgestaltung. Ich glaube, darüber muss man einfach diskutieren dürfen.“
Brandschutz, Fluchtwege und Energieeffizienz stellt er nicht infrage. Spielraum sieht er anderswo. Sein Credo: Was nicht gebaut wird, kostet nicht. „Ich wohne nicht schlechter, bloß weil eine Tiefgarage oder ein Keller nicht gebaut wird.“ Wer eine Wohnung sucht, dem sei es zudem „relativ egal“, ob er zehn oder fünfzehn Steckdosen im Wohnzimmer hat. Dass günstiger und dennoch wertiges Bauen möglich ist, zeige zum Beispiel das Hildesheimer Modell. „Wir müssen auch von der theoretischen Debatte ins Tun kommen“, sagt Kiesewetter.
Selbstkritisch zeigt sich Kiesewetter bei den Förderanträgen. Die Kritik an ihrer Komplexität hält er für „durchaus berechtigt“. Die Regeln der sozialen Wohnraumförderung seien sehr detailliert. Die Bank müsse sie aber eben gerichtsfest umsetzen, schließlich gehe es um Steuergeld. Gemeinsam mit den kommunalen Wohnraumförderstellen will die NBank Bauherren durch den „Dschungel an Anforderungen“ lotsen. Denn: „Komplexität schafft erst mal keine Wohnungen.“
Vieles entscheidet sich aus Kiesewetters Sicht in den Köpfen. Wo Kommunen auf Keller, Tiefgaragen oder Stellplätze verzichten können, müssten sie diese Freiräume auch nutzen. „Da muss man loslassen können. Loslassen heißt aber auch dann Verantwortung nehmen.“ Das gilt für den Architekten, der auf das Türmchen verzichtet, ebenso wie für den Investor, dem künftig einen Stellplatz reicht.