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Branchenbarometer 2026: Die Druckindustrie „stemmt sich gegen die Krise"

veröffentlicht am 17.09.2026

Hannover. Mehr als 500 Betriebe der Druck- und Medienbranche mit rund 10.000 Beschäftigten gibt es in Niedersachsen – das ist der typische Mittelstand in Deutschland. Es gibt zwar auch sehr große Druckereien mit mehreren hundert Beschäftigten, aber landesweit auch sehr viele kleine mit bis zu 10 Mitarbeitenden. Die große Mehrheit eint: Trotz Konjunkturkrise und wachsender Bürokratielast wollen fast drei Viertel der Betriebe weiter investieren.

„Wir sind die vergessene im Bürokratiewahnsinn", sagt VDMNO-Geschäftsführer Philipp von Trotha / Foto: Markus Prell

„Unsere Branche stemmt sich gegen die Krise. Wir können und wollen nicht mit unserer Produktion ins Ausland gehen. Unsere Unternehmen sind vor Ort verwurzelt", sagte Philipp von Trotha, Geschäftsführer des Verbands Druck und Medien NordOst (VDMNO) bei einer Pressekonferenz im Haus der Medien. Dort stellte er das „Branchenbarometer 2026“ des Verbands vor, eine Trendstudie, an der sich 60 Unternehmen beteiligt haben.

40 Prozent der Unternehmen erwarten demnach eine Verschlechterung ihrer Lage innerhalb von zwölf Monaten, nur 17 Prozent eine Verbesserung. Dennoch wollen viele weiter investieren: 46 Prozent in Maschinen und ebenso viele in Digitalisierung, 31 Prozent in Personal und Ausbildung. Nur 27 Prozent planen gar keine Investitionen.

Für 58 Prozent der befragten Unternehmen ist nicht die schwache Konjunktur die größte Belastung, sondern Bürokratie und Berichtspflichten – noch vor Konjunkturschwäche (50 Prozent), Lohn- und Personalkosten (35 Prozent) und Energiekosten (27 Prozent).

Besonders deutlich zeigt sich dabei ein Größeneffekt: Bei Kleinstbetrieben nennen 38 Prozent Bürokratie als Top-Belastung, bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten sind es 62 Prozent, bei 50 bis 249 Beschäftigten sogar 75 Prozent. Das bedeutet: Betriebe, die keine Kleinbetriebe mehr sind, aber bei der Berichtspflichten behandelt werden wie Großunternehmen, haben die größten Bürokratie-Sorgen. Denn ihnen fehlt im Vergleich zu großen Unternehmen das nötige Personal, um die völlig aus dem Ruder gelaufenen Berichtspflichten abzuarbeiten.

Besonders betroffen fühlen sich die Unternehmen vom Arbeits- und Datenschutzrecht (52 Prozent), von Steuer- und Buchhaltungspflichten (40 Prozent), der EU-Verpackungsverordnung PPWR (38 Prozent), der Entwaldungsverordnung EUDR (31 Prozent) und dem Lieferkettengesetz (27 Prozent).

Verbandsvorsitzender Martin Koschei formulierte in Hannover scharfe Kritik an der Regulierungspraxis: „Die Politik hat sich in einem Netz an Sonderregelungen verheddert und kommt jetzt nicht mehr hinterher, zwischen all den Ausnahmeregelungen für Gerechtigkeit zu sorgen. Die Wirtschaft ist vollkommen überregelt."

Die Politik habe sich in einem Netz an Sonderregelungen verheddert, meint der VDMNO-Vorsitzende Martin Koschei / Foto: Markus Prell


Wer gestern in Energieeffizienz investiert habe, werde heute dafür bestraft, so Koschei. Die KUEBLL-Liste, mit der einzelne Branchen bei den Energiekosten entlastet werden, orientiere sich an einer Wirtschaftszweig-Einteilung von gestern, nicht an der Realität in den Betrieben – die Druck- und Medienbranche selbst steht nicht mehr auf dieser Liste, obwohl sie dort immer noch hingehöre.

„Wir sind die vergessene Mitte"

Von Trotha sieht die eigene Branche als typisches Beispiel für einen Mittelstand, der in politischen Entscheidungen regelmäßig übersehen werde: „Die zentralen Herausforderungen für den Mittelstand liegen nicht in der Straße von Hormus oder in der Ukraine. Das Problem sind wir in Deutschland selbst. Die öffentliche und politische Debatte spitzt sich stark auf große Stahlunternehmen, große Autokonzerne und deren große Zulieferer zu. Wir sind die vergessene Mitte im Bürokratiewahnsinn.“

In der Branche sei der Chef gleichzeitig Chef und Leiterbeauftragter in einer Person – der tagsüber das Team führr und abends noch mit einem Packen an Berichtspflichten am Tisch sitze. Inzwischen mache sich auch in der Druckbranche immer mehr Frust. Breit. Der Branchenumfrage zufolge fühlen sich zwei Drittel der Unternehmen von der Politik nicht gehört. Keine gute Entwicklung in aufwühlenden Zeiten, findet von Trotha.

Am besten wäre natürlich, man würde KUEBLL-Listen und andere Sonderregelungen gar nicht benötigen, meinen die Branchenvertreter. Wenn es zum Beispiel einen niedrigen bezahlbaren Strompreis für alle gebe, müsste man auch nicht ständig mit im Zweifel ungerechten speziellen Regeln nach Ausgleich suchen. Und beim Thema Bürokratie könnte man sich laut von Trotha in Niedersachsen einfach mal das baden-württembergische Effizienzgesetz zu eigen machen: Dort sollen Bürokratiepflichten ab dem Jahr 2028 grundsätzlich entfallen, sofern ihre Unverzichtbarkeit nicht aktiv begründet wird. „Diesen Mut würde ich mir auch in Niedersachsen wünschen", so der VDMNO-Chef.