Infrastruktur ist gerade auf der politischen Themenliste ganz oben. 500 Millionen Euro investiert das Land Niedersachsen in den kommenden Jahren aus Haushalt und Sondervermögen. Dass gebaut und saniert werden muss, ist unstrittig. Aber welche Bauwerke am geeignetsten sind, wird weniger diskutiert.
Martin Betzler, Präsident der Ingenieurkammer Niedersachsen, Professor an der hochschule 21 und Spezialist für Tragwerksplanung, wartet nun mit einem konkreten Vorschlag für den Bau neuer Brücken auf.
Er sagt im Interview mit Agenda Niedersachsen: Über viele Jahrzehnte seien Brücken schlank, aber eben auch kompliziert gebaut worden. „Man wollte natürlich auch zeigen, was man kann“, erklärt Betzler. Dadurch habe man die Konstruktionen aber auch bis an ihre Grenzen ausgereizt. Die Folge: Sie stoßen schneller an ihre Belastungsgrenzen.
Für den inzwischen immensen Schwerlastverkehr fehlten vielen Brücken dadurch schnell die nötigen Reserven. Denn ein einzelner Lastwagen belastet eine Brücke so stark wie 10.000 Pkw. Als Negativ-Beispiel dient Betzler dabei die eingestürzte Carolabrücke in Dresden.
Als Gegenmodell verweist Betzler auf historische Bauweisen – bis zurück zu den Römern. Bogenbrücken etwa verfügten über deutlich mehr Redundanz und Reserven und hielten dadurch auch erheblich länger. Zwar sei eine Bogenbrücke in der Errichtung meist teurer, weil sie in der Regel eingerüstet werden müsse. Langfristig gesehen sei sie aber die deutlich bessere Lösung.
Betzlers Credo: „Wir müssen wieder einfacher und robuster bauen.“ Der Kammerpräsident sprach sich auch für ein selbstbewussteres Auftreten der Ingenieure aus. Sie seien wichtige Ansprechpartner zu den Themen der Zeit und müssten aktiv auf Herausforderungen und Probleme hinweisen. „Wir müssen lauter werden“, forderte Betzler.