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Bürokratie und Energiekosten belasten die Druckindustrie

veröffentlicht am 25.06.2026

In Berlin trifft sich heute und morgen die Druck- und Medienbranche. Beim Deutschen Druck und Medientag werden die Zukunftsfragen besprochen, die der Branche mit bundesweit rund 100.000 Mitarbeitenden auf dem Herzen liegen. Aber die wirklich zentralen Fragen hört man häufig eher im kleineren Kreis.

Am Abend vor dem zentralen Branchentreffen luden die Verbände Druck und Medien Nordostdeutschland (VDMNO) und Mitteldeutschland (VDM) ihre Mitglieder zu einem „Get together“ direkt an der Spree ein. Eingeladen war auch Berlins Wirtschafts-Staatssekretär Severin Fischer. An dem Abend wurde deutlich, was die Branche aktuell am meisten schmerzt: Es sind der immer weiter wachsende bürokratische Aufwand und steigende Energiepreise.

Kämpft mit immer höheren Energiekosten: Unternehmer Martin Koschei / Foto: Ansgar Schwarz

Der VDMNO-Vorsitzende Martin Koschei, Chef der Sattler Media Group aus Niedersachsen, kritisierte deutlich die völlig aus dem Ruder gelaufenen Energiekosten. In seinem Unternehmen lag der Anteil der Energiekosten am Rohertrag vor drei bis vier Jahren noch bei rund zehn Prozent, inzwischen hat er sich nahezu verdoppelt. Eine Weitergabe der gestiegenen Kosten an seine Kundschaft – zum Beispiel Einzelhandel und Möbelhersteller – sei angesichts der anhaltenden Konsumzurückhaltung in Deutschland kaum mehr möglich.

Als Kompromisslösung gilt für Koschei die sogenannte KUEBLL-Liste, über die Unternehmen von einem Industriestrompreis profitieren könnten. Genau hier liegt jedoch das Paradox: Viele Druckbetriebe haben frühzeitig und konsequent in Energieeffizienz investiert – Koscheis Unternehmen ist seit über 15 Jahren energiemanagement-zertifiziert. Der Erfolg dieser Anstrengungen führte jedoch dazu, dass die Branche inzwischen nicht mehr als energieintensiv eingestuft wird und somit von der Liste gestrichen wurde.

Die Konsequenz: Aktuell ist nicht absehbar, dass die Druckindustrie von einem Industriestrompreis profitieren kann – trotz nachweislich hoher Energiekostenbelastung.

Talkrunde in Berlin: VDMNO-Geschäftsführer Philipp von Trotha, die Vorsitzenden Christian Heinrich (VDM) und Martin Koschei (VDMNO) und Moderator Martin Brüning / Foto: Ansgar Schwarz

Auch Christian Heinrich sieht die Branche unter Druck. Der VDM-Vorsitzende und Chef des Unternehmens Salzland Druck in Staßfurt in Sachsen-Anhalt monierte vor allem wachsende bürokratische Anforderungen.

Laut aktuellen Umfragedaten aus der Branche nennen zwei Drittel der Unternehmen Bürokratie als größten Schmerzpunkt. Heinrich macht das an konkreten Beispielen wie Verpackungs- und Entwaldungsgesetz fest. Für die Unternehmen gehe es um erhebliche Ressourcen, die durch Bürokratie gebunden würden. Erschwerend komme hinzu, dass selbst Regulierungsbehörden mitunter nicht genau wüssten, welche Anforderungen sie an die Unternehmen stellen.

Fischer: Digitalisierung und Bürokratieabbau müssen zusammen gedacht werden

Staatssekretär Severin Fischer ordnete die Kritik aus Sicht der Berliner Senatsverwaltung ein. Notwendig sei in erster Linie eine konsequente Digitalisierung von Verwaltungsverfahren, insbesondere dort, wo sie wirtschaftsnah seien – Unternehmen erwarteten heute digitale Prozesse statt Papierverwaltung.

Darüber hinaus müssten bestehende Berichtspflichten kritisch überprüft werden: Manche seien schlicht nicht mehr notwendig. Zudem warnt Fischer davor, EU- oder Bundesregulierung auf Länderebene noch zusätzlich zu verschärfen, Experten sprechen von sogenannten „Gold-Plating“. Für Fischer gehen Digitalisierung und Bürokratieabbau Hand in Hand.

War zu Gast bei VDMNO und VDM und sprach dort mit vielen Unternehmern: Berlins Wirtschafts-Staatssekretär Severin Fischer / Foto: Ansgar Schwarz

Auch beim Thema Energiepreise bezog Fischer Position. Auch für den Berliner Mittelstand seien wettbewerbsfähige Strompreise entscheidend. Die Energietransformation müsse vorangetrieben werden, um Abhängigkeiten von externen Schocks – etwa an der Straße von Hormuz – zu verringern. Entscheidend sei jedoch, dass dieser Prozess nicht zu Deindustrialisierung führe. Deshalb brauche es eine temporäre Absicherung bei den Energiepreisen.

Es gibt also viel zu besprechen beim diesjährigen Druck und Medientag.