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Netzausbau: „Ab heute muss die Politik liefern!“

veröffentlicht am 22.06.2026

"Ab heute muss Politik liefern": So sagt es Silke Weyberg und damit ging sie heute mit klarer Botschaft in eine Anhörung des Wirtschaftsausschusses des Bundestages. Die Chefin des Landesverbands Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen (LEE) war vom Ausschuss als Expertin eingeladen worden. Thema war die Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes – konkret geht es dabei um den Bau der Höchstspannungstrassen in Deutschland. Genauer gesagt: um eine weitreichende Kursänderung.

Künftig sollen neue Höchstspannungs-Gleichstrom-Trassen grundsätzlich als Freileitung statt als Erdkabel errichtet werden. Der bisherige Erdkabelvorrang, der vor rund 20 Jahren als Reaktion auf massive Proteste gegen Freileitungen eingeführt wurde, steht damit zur Disposition. Die Bundesregierung begründet den Schritt mit Kosteneffizienz – Freileitungen sind deutlich günstiger als Erdverkabelung und sollen die Netzentgelte dämpfen. Experten sehen das wesentlich differenzierter.

Für Weyberg ist das Thema nicht neu: „Ich kenne das noch von vor 20 Jahren, da haben wir gesagt: Es muss einen Erdkabelvorrang geben." Damals war Weyberg noch Landtagsabgeordnete in Niedersachsen. Die Herausforderung sei komplex, räumt sie ein – eine einfache Lösung werde es nicht geben.

Niedersachsen besonders betroffen

Entsprechend dringlich mahnte sie für den LEE in der Anhörung kluge, differenzierte Lösungen an. Zentrale Forderung: Die Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden – gleichzeitig muss das Tempo beim Netzausbau steigen.

Der LEE schlägt konkrete Kriterien vor, um beides zu vereinbaren:

  • Eine Trasse wird immer vollständig als Erdkabel oder als Freileitung geplant – ein Wechsel innerhalb einer Trasse soll ausgeschlossen sein.
    Die Entscheidung für Freileitung oder Erdkabel muss bereits vor Beginn der Genehmigungsverfahren feststehen, damit kein zeitraubender Systemvergleich im laufenden Verfahren nötig wird.
  • Die Kriterien für eine Erdverkabelung müssen transparent und nachvollziehbar sein – etwa anhand der Flächenbelastung einzelner Regionen mit Trassenkilometern.
  • Als zusätzliches Instrument bringt der Verband eine deutlich erhöhte, jährlich zahlbare Akzeptanzabgabe für Freileitungs-Standorte ins Spiel – orientiert an den Erfahrungen aus der Windenergie, wo Kommunen jährlich zwischen 25.000 und 35.000 Euro über 20 Jahre erhalten. Die bisherige einmalige Zahlung von 40.000 Euro reiche dafür nicht aus.

Gesamtkonzept statt Einzelmaßnahmen

Weyberg kritisiert zudem, dass die Netzplanung bislang losgelöst von einem übergeordneten Energieszenario erfolge: „Es werden keine regionalen Abnahmen mitberücksichtigt. Moleküle und Elektronen werden nicht zusammengedacht." Sie forderte, regionale Verbrauchsschwerpunkte, die Nutzung von Strom hinter dem Netzanschlusspunkt sowie den Ausbau des Wasserstoffkernnetzes konsequent mitzudenken – und dies zügig in eine nationale Energiestrategie zu überführen.

„Was auf keinen Fall passieren darf, ist, dass eine Leitung sowohl als Freileitung als auch als Erdverkabelung geplant wird", machte die LEE-Geschäftsführerin im Gespräch mit Agenda Niedersachsen noch einmal deutlich. Genau hier, in der frühen und verbindlichen Klärung der Bauweise, sieht sie den Schlüssel zu einer echten Beschleunigung – ohne die Akzeptanz vor Ort zu verspielen.