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Neuer Bauindustrie-Präsident Jürgen Oyen bleibt optimistisch

veröffentlicht am 18.06.2026

Mit einer Personalie und einer politischen Standortbestimmung startet die Bauindustrie Niedersachsen-Bremen in den Sommer: Bei der Mitgliederversammlung in Bremen wählten die Mitglieder einstimmig Jürgen Oyen zum neuen Präsidenten. Beim anschließenden Sommerfest sprach Olaf Joachim, Staatsekretär im Bundesbauministerium, vor rund 300 Gästen über die Lage am Wohnungsmarkt.

Bleibt optimistisch: Der neue Bauindustrie-Präsident Jürgen Oyen / Foto: Henning Scheffen

Jürgen Oyen, Vorstand der ZECH Bau SE in Bremen und seit vielen Jahren im Bauindustrieverband engagiert, steht künftig an der Spitze des Verbands. Bei der Mitgliederversammlung wurde turnusgemäß auch das gesamte Präsidium neu gewählt. Oyen unterstrich den Anspruch des Verbands, eine starke Stimme und ein starkes Netzwerk zu bleiben: „Die Bauindustrie ist das Fundament, auf dem Wirtschaft und Gesellschaft stehen. Ob Wohnquartiere, Straßen oder Seehäfen: Wir bauen das, was dieses Land so dringend benötigt“, erklärte der neue Präsident.

Er bleibt trotz struktureller Defizite optimistisch, auch beim Thema Wohnungsbau. „Wir kriegen das hin", sagte Oyen im Gespräch mit Agenda Niedersachsen. Alle zögen an einem Strang, ob Verbände, Politik oder Unternehmen. "Alle wollen es hinkriegen, und dann kriegen wir es auch hin. Davon bin ich fest überzeugt", erklärte Oyen. 

Verbands- Hauptgeschäftsführer Jörn P. Makko betrachtet die aktuelle Lage allerdings auch mit Sorge. Planungs- und Genehmigungsverfahren dauerten zu lang, die Kommunen seien überlastet und unterbesetzt, das Sondervermögen komme nur stockend auf den Baustellen an. Sein Fazit: „So kommen wir nicht voran. Wir brauchen dringend mehr Tempo.“

Olaf Joachim: „Die Talsohle ist hoffentlich durchschritten"

Im direkten Anschluss an die Mitgliederversammlung sprach mit Olaf Joachim ein hochrangiger Vertreter der Bundesregierung beim Sommerfest. Der Staatssekretär im Bundesbauministerium zeichnete ein Bild, das zu Makkos Tempo-Appell passte: vorsichtig hoffnungsvoll, aber mit deutlichen Warnungen.

„Ziel muss sein, dass das Bauen und damit auch das Wohnen günstiger wird": Staatsekretär Olaf Joachim / Foto: Henning Scheffen

Seit 2024 seien die Baufertigstellungen gesunken, die Baugenehmigungen zeigten jedoch seit einigen Monaten wieder nach oben. Für 2026 erwarte das Ministerium deshalb eine steigende Zahl an Fertigstellungen – das sei „zwar noch kein Grund zum Feiern, das ist ein deutlich zu niedriges Niveau, aber es geht in die richtige Richtung“, so Joachim. „Die Talsohle ist hoffentlich durchschritten“ Allerdings: Geopolitische Krisen, etwa am Golf, sowie Zinsentwicklung, Lieferketten und Energiepreise könnten diese zarte Erholung gefährden.

Der Bund stütze den Wohnungsbau mit einem ganzen Maßnahmenpaket: Die Bundesfinanzhilfen für den sozialen Wohnungsbau seien 2025 auf 3,5 Milliarden Euro gesetzt worden und sollen bis 2028 auf 5,5 Milliarden Euro steigen. Zusammen mit den Komplementärmitteln der Länder kämen so in vier Jahren mehr als 50 Milliarden Euro zusammen.

Auf der regulatorischen Seite verwies Joachim auf den im Oktober eingeführten Bauturbo, der Kommunen schnellere Genehmigungen sowie Nachverdichtung und Aufstockung ermöglicht – allein in Hamburg seien dadurch rund 1.000 zusätzliche Genehmigungen erteilt worden, die sonst nicht möglich gewesen wären. 

In Niedersachsen zeichnet sich allerdings ein differenziertes Bild ab. So hatte die Stadt Pattensen in der Region Hanniver kürzlich erklärt, das neue Bundesgesetz wohl erst einmal nicht zum Einsatz zu bringen. Hintegrund seien fehlende Kapazitäten in der Verwaltung. Andere Gemeinden haben sich dagegen schon auf den Weg gemacht.

Joachims Fazit fiel an dem Abend in Bremen ähnlich klar aus wie das von Makko zuvor: „Ziel muss sein, dass das Bauen und damit auch das Wohnen günstiger wird.“ Das gelinge dem Bund jedoch nicht allein – Länder, Kommunen, die Bau- und Immobilienwirtschaft, Architekten und Finanzierungsakteure müssten eng zusammenwirken.