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Wie die Bauindustrie um junge Talente wirbt

veröffentlicht am 27.04.2026

Die Bauindustrie sucht Nachwuchs – und wird dabei auf vielen Wegen aktiv. Sowohl der Verband der Bauindustrie in Niedersachsen und Bremen als auch die Unternehmen selbst setzen dabei vor allem auf eine Maxime: Nicht jammern, sondern anpacken. Zwei Beispiele aus zwei Städten in der vergangenen Woche.

Mittwochmorgen in Bremen: Rebecca Ramann, Lehrerin an der Wilhelm-Kaisen-Oberschule im Ortsteil Huckelriede setzt erst mal Kaffee auf. Zu Gast im Sitzungszimmer ist heute nicht nur der Bauindustrieverband, sondern auch die Bernhard Kathmann Bauunternehmung, mit der sie schon häufig Kontakt hat. Dieser soll jetzt institutionalisiert werden – mit einer Bildungspartnerschaft Bau.

Schulleiter Oliver Seipke (links) mit Lüder Kathmann / Foto: Agenda Niedersachsen

Das Ziel ist klar: Jugendliche sollen früh erleben, wie vielfältig Berufe am Bau sind – nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret. Betriebs- und Baustellenbesuche, Praktika und Mitmachaktionen holen den Alltag der Branche direkt in die Schule.

In Niedersachsen gibt es schon mehrere Bildungspartnerschaften, in Bremen ist es die erste. Verbandschef Jörn P. Makko spricht von „Verantwortungsgemeinschaften „. Man wolle den Schülerinnen und Schülern einen praxisnahen Einblick in die Bauindustrie und die unterschiedlichen Berufsfelder vermitteln. „Uns ist wichtig, dass junge Leute Lust auf die Baubranche haben und mit uns ihre Umwelt gestalten wollen, in einem unserer rund 36 Ausbildungsberufe. Das sichert qualifizierten Nachwuchs", so Makko.

Engagement als gesellschaftliche Aufgabe

„Am Ende ist es für mich auch eine gesellschaftliche Aufgabe“, sagt Lüder Kathmann geschäftsführender Gesellschafter des Bauunternehmens nach seiner Unterschrift unter die Partnerschaft. Man könne sich immer beschweren, aber man müsse eben selbst etwas tun. Zumal er es für das Unternehmen als große Chance sehe, die Kontakte zu Schülerinnen und Schülern zu knüpfen.

„Solche Bildungspartnerschaften sind für uns ganz wichtig als Schule. Wir wollen Jugendlichen eine Perspektive geben“, sagt Schulleiter Oliver Seipke. Berufsorientierung gehöre an der Oberschule längst zum Alltag. Von Klasse 5 an lernen die rund 850 Schülerinnen und Schüler, eigene Wege zu entwickeln. „Wir sind sehr froh, dass wir mit der Firma Kathmann unser Angebot verlässlich erweitern und ergänzen können, um die Jugendlichen an unserer Schule künftig noch besser zu fördern.“

Szenewechsel. Donnerstagvormittag in Hildesheim. An der HAWK, der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, bahnen sich Studierende ihren Weg durch die Aula im zweiten Stock. Links und rechts haben Unternehmen Stände aufgebaut, um sich zu präsentieren. Von der Ingenieurkammer über Bauunternehmen wie Züblin, Wallbrecht oder Gundlach bis bis zur Landesstraßenbaubehörde sind viele dabei.

"Wallbrecht auf die 1!" Özden Efe (rechts) am Wallbrecht-Stand auf der HAWK / Foto: Agenda Niedersachsen

Jessica Fink von der HAWK hat den „Karrieretag Bauen“ organisiert. Sie will Unternehmen der Baubranche und Studierende zueinander bringen. „Es kommen Studierende der Architektur, des Bauingenieurwesens und des Holzingenieurwesens. Sie können hier Unternehmen kennenlernen, Kontakte für Praxisphasen oder auch für den Berufseinstieg nach dem Studium knüpfen“, erklärt sie.

Es ist die Chance, die Firmen gleich sehr persönlich kennenzulernen. Für das Bauunternehmen Wallbrecht aus Hannover ist Özden Efe am Stand und wirbt sympathisch für ihren Arbeitgeber: Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit 120 Mitarbeitern, jeder kennt jeden. Es ist nicht nur sehr abwechslungsreich, man ist als Anfänger auch sehr gut aufgehoben in der Firma.“ Für sie ist klar, wo ihr Arbeitgeber hingehört: „Wallbrecht auf die 1“, sagt sie überzeugt.

Begegnungen statt Broschüren

Solche Sätze wirken auf junge Menschen vielleicht stärker als das Aufzählen von typischen Mitarbeitendenvorteilen – vom Gehalt bis zu Gesundheitsangeboten. Özden Efe holt junge Interessierte emotional ab.

Die Beispiele aus Hildesheim und Bremen zeigen: Die Unternehmen verändern ihre Ansprache. Sie setzen auf Begegnungen und persönliche Einblicke statt auf Broschüren. Die Branche wird damit sichtbar – ein unschätzbarer Vorteil im immer wieder beschriebenen „War for Talents“.

 

Video-Einblicke der beiden Veranstaltungen gibt es auf dem LinkedIn-Kanal der Bauindustrie:

Bildungspartnerschaft in Bremen

"Karrieretag Bauen" an der HAWK