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Bereit für den Blackout? Die meisten glauben: nein.

veröffentlicht am 13.04.2026

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland geht davon aus, dass Unternehmen und Institutionen in Bezug auf die kritische Infrastruktur nicht gut auf Krisensituationen vorbereitet sind. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der TÜV NORD GROUP hervor. Die Umfrage liegt Agenda Niedersachsen vor.

Demnach haben nur 26 Prozent der Befragten großes oder sehr großes Vertrauen in die Vorbereitung von Unternehmen und Institutionen auf Krisensituationen, 57 Prozent äußern weniger großes Vertrauen, 16 Prozent haben gar keines. Vor allem die älteren Befragten misstrauen der Vorbereitung. Bei den über 60-Jährigen äußerten 80 Prozent, sie hätten weniger großes bis gar kein Vertrauen.

Zugleich halten viele Menschen Krisensituationen inzwischen für realistisch. 59 Prozent rechnen der Umfrage zufolge mit Ausfällen der kritischen Infrastruktur in den nächsten fünf Jahren. Nur 38 Prozent halten ein solches Szenario für unwahrscheinlich. Frauen sind dabei deutlich skeptischer als Männer – bei ihnen rechnen 65 Prozent mit einem Infrastrukturausfall, bei den befragten Männern sind es 52 Prozent. 

Die Ergebnisse verdichten sich zu einer klaren Botschaft: Viele Menschen erwarten Krisen – trauen den zuständigen Akteuren aber nicht zu, ausreichend vorbereitet zu sein. In der Forsa-Umfrage heißt es: "Es zeigt sich ein deutliches Spannungsfeld zwischen den hohen Erwartungen der Bevölkerung und dem vergleichsweise geringen Vertrauen in die Krisenvorbereitung von Unternehmen und Institutionen der kritischen Infrastruktur."

TÜV NORD-Perspektive: Sicherheit als Systemaufgabe

Mit Blick auf andauernde globale Spannungen und Konflikte sagte Dirk Stenkamp, Vorstandsvorsitzender der TÜV NORD GROUP, dass die TÜV-Unternehmen bereits heute in sicherheits- und resilienzrelevanten Feldern aktiv seien. Für TÜV NORD nannte er beispielhaft die Prüfung und Zertifizierung von Drohnen, Audits in Zulieferunternehmen der Verteidigungsindustrie sowie die Bewertung der militärischen Belastbarkeit von Straßen, Brücken und Schienen. Stenkamp übernimmt im Juni den Vorsitz des TÜV-Verbandes in Berlin.

Der Vorstandsvorsitzende der TÜV NORD GROUP, Dirk Stenkamp / Foto: TÜV NORD

Zumindest politisch ist das Thema längst angekommen. Vor dem Hintergrund einer verschärften Sicherheitslage hat die niedersächsische Landesregierung ihren Dialog zur Stärkung kritischer Infrastrukturen fortgesetzt. Im Umweltministerium diskutierten am Montag Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Risiken und Maßnahmen in den Bereichen Energie, Wasser und Telekommunikation.

Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Christian Meyer betonte dabei die Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen und mehr Resilienz: „Wir müssen in die Strom-, Wasser- und Telekommunikationsnetze mehr investieren und diese resilienter machen, statt jetzt den Netzausbau auszubremsen.“ Auch dezentrale erneuerbare Energien und Speicher seien ein zentraler Baustein für mehr Versorgungssicherheit.