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OB-Triell in Hannover: Ein Kandidat war besonders angriffslustig

veröffentlicht am 10.04.2026

Wer im 18. Stock der Hermes Lounge auf dem Gelände der Deutschen Messe aus den Fenstern schaut, der hat einen guten Überblick über die Stadt und die Region. Man könne vom „Wohnzimmer der Deutschen Messe sprechen“, sagte der Vorstandschef des Unternehmens, Jochen Köckler, bei der Begrüßung der rund 100 Gäste.

Es ist genau der richtige Ort, um den Blick zu weiten und sich damit zu beschäftigen, wie sich die niedersächsische Landeshauptstadt in den kommenden Jahren entwickeln soll. Zum ersten Triell im Wahlkampf um den Oberbürgemeister-Posten trafen im 18. Stock Amtsinhaber Belit Onay (Grüne), Axel von der Ohe (SPD) und Peter Karst (CDU) aufeinander. 

Die drei Kandidaten von CDU, Grünen und SPD: Peter Karst, Belit Onay, Axel von der Ohe (v.l.n.r.) /  Foto: Deutsche Messe AG, Rainer Jensen

Axel von der Ohe, Finanz-, Ordnungs- und Feuerwehrdezernent der Stadt und Kandidat der SPD, setzt dabei den ersten Punkt. Der Fokus werde zu häufig auf die Innenstadt gelegt. „Bei meiner Vision einer starken Stadt ist es wichtig, auch die ganze Stadt in den Fokus zu nehmen – nicht nur die Innenstadt.“ Sein Orientierungsbild sei die „15-Minuten-Stadt“ – kurze Wege, starke Quartiere, funktionierende Infrastruktur.

SPD-Kandidat: Axel von der Ohe / Foto: Deutsche Messe AG, Rainer Jensen

CDU-Kandidat Peter Karst macht darauf aufmerksam, dass Hannover nicht nur eine Stadt, sondern die Landeshauptstadt sei. Die Bedeutung und das Selbstbewusstsein müssten stärker wahrgenommen werden.

Blickt man auf die City, ist laut Oberbürgermeister Belit Onay gerade bereits viel im Fluss. Von Steintorplatz über Schillerstraße und Georgstraße bis zum Raschplatz – es werde überall gerade angepackt und gebaut. „Es passiert wahnsinnig viel“, sagt Onay. An dieser Stelle geht von der Ohe direkt in die Attacke. „Ich teile dieses Bild in dieser Euphorie nicht. Das ist nicht mein Bild. Was wir erleben, sind vor allem nur Ankündigungen, was passieren soll.“ Es gebe auch bisher nicht den großen politischen Konsens über Innenstadtentwicklung.

CDU-Kandidat Peter Karst / Foto: Deutsche Messe AG, Rainer Jensen

Es geht natürlich auch viel ums Tempo. „Speed is value“, wiederholt Karst mehrmals an diesem Abend. Je mehr Regulatorik und Steuerungsanspruch aus der Politik komme, desto schwieriger werde es. Man müsse den Investoren Vertrauen und Eigenverantwortung zurückgeben. Dann könne es besser funktionieren.

Onay erläutert, Stadtentwicklungsphasen seien in Deutschland nicht in zwei bis drei Jahren machbar, sondern müssten in fünf bis zehn Jahren gedacht werden. „Das ist ein ernsthaftes Problem. Für Hannover heißt das aber: Durch das Innenstadtkonzept haben wir eine wahnsinnig gute Grundlage, auf der wir jetzt arbeiten können.“

Der Kandidat der Grünen, Belit Onay / Foto: Deutsche Messe AG, Rainer Jensen

Ein weiteres wichtiges Thema: Der lahmende Wohnungsbau. Onay spricht von einer riesigen Herausforderung. „Wir müssen nach neuen Wegen suchen, wie wir schneller werden können.“ Der Oberbürgermeister verspricht: „Der Bauturbo wird in Hannover Wirkung entfalten, er löst aber nicht all unsere Probleme.“ Prozesse müssten generell beschleunigt werden, um Kosten zu sparen.

Karst kritisiert, dass Hannover an zu vielen Stellen hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Als Beispiel nennt er die Debatte um Fahrradstellflächen. „Wenn die Stadt das haben möchte, dann kann sie das machen, muss damit aber nicht die Investoren belasten. Denn das sind weitere Kostenbelastungen für Projekte.“

Man müssen bei Fragen des Wohnungsbaus entscheidungsfreudiger werden, meint von der Ohe. „Wie dicht bauen wir? Wie hoch bauen wir? Das sind Fragen, die wir entscheiden können. Man muss nur willens sein, diese Entscheidungen zu treffen. Und wir waren in den vergangenen Jahren nicht willens, diese Entscheidungen zu treffen, wenn wir ehrlich sind“, macht der SPD-Kandidat deutlich.

Die drei Kandidaten mit Moderator Martin Brüning / Foto: Deutsche Messe AG, Rainer Jensen

Beim Bauturbo macht von der Ohe einen konkreten Vorschlag. „Ich würde als Oberbürgermeister sagen: Die Verwaltung kann bei allen Projekten, bei denen Sie den Bauturbo nutzen will, entscheiden. Überall, wo sie nein sagen möchte, muss sie es dem Rat vorlegen.“ Das wäre seiner Meinung nach ein wirksames Instrument, um den Geist hinter dem Bauturbo wirken zu lassen.

Was ist wichtiger beim Wohnungsbau: Mehr Qualität oder mehr Tempo? Moderator Martin Brüning bittet die Kandidaten, Ihre Meinung auf einer Skala von 1 (Qualität ist besonders wichtig) bis 10 (Tempo ist besonders wichtig) einzuordnen: Onay entscheidet sich für die 6. Von der Ohe geht es vor allem ums Tempo, er nennt die Zahl 8. Und Karst? „Ich bin so eher der 7,5-Typ“, sagt er und hat die Lacher des Saals auf seiner Seite.

Gut unterhalten fühlt sich das Publikum auch, als Brüning aus Zitaten von Karst Vorschläge für zwei Wahlplakate des CDU-Kandidaten macht. Dieser hatte an einer Stelle von "Qualität-Qualität" statt der Quantität/Qualität-Debatte gesprochen, an anderer Stelle von A-Fragmenten in der B-Stadt. "Ich freue mich jetzt schon auf die Plakat-Slogans: Der Kandidat mit der Qualität-Qualität. Und: Wir brauchen mehr A-Fragmente." 

Drei Kandidaten auf dem Smartphone-Display / Foto: Deutsche Messe AG, Rainer Jensen

Am Ende des Triells sollen die Kandidaten kurz zusammenfassen, was Hannover nach ihrer achtjährigen Amtszeit auszeichnen würde. Karst sieht Hannover dann als attraktivste Landeshauptstadt der Bundesrepublik. Laut Onay wird die Stadt noch lebenswerter und wieder auf der Landkarte sichtbar werden. Und von der Ohes Ziel ist eine familienfreundliche Stadt mit starker Wirtschaft und bezahlbaren Alltag. 

Viel Applaus bekommen alle drei Kandidaten am Ende. Einer war besonders angriffslustig, einer besonders charmant und der dritte war noch stark im erklärenden Modus des Oberbürgermeisters. Noch mehr als fünf Monate Wahlkampf liegen nun vor ihnen. Am 13. September wird es an den Wahlurnen ernst. Stichwahltermin ist der 27. September.