Zurück zur Übersicht

Neuer FDP-Chef Hocker: „Schluss mit der Miesepetrigkeit“

veröffentlicht am 08.03.2026

Gero Hocker steht neben dem Rednerpult. Für seine Bewerbungsrede für den Parteivorsitz der niedersächsischen FDP hat er sich entschieden, nicht am Rednerpult zu stehen, sondern auf der Bühne des Parteitags ein Headset zu nutzen. Ein klein wenig Christian Lindner-Feeling in Celle.

Am Ende wählen die Delegierten ihn mit knapp 78 Prozent der Stimmen. Kein glänzendes Ergebnis, keine Katastrophe, keine Euphorie, kein Defätismus. Es spiegelt ein wenig die Stimmung der Delegierten in Celle angesichts der Lage der Partei wider.

Gero Hocker nach seiner Wahl beim Video-Statement vor der Congress Union Celle / Foto: Agenda Niedersachsen

In seiner Rede plädiert Hocker dafür, endlich wirtschaftliche Reformen anzuschieben – und dem politischen Klima im Land mehr Optimismus geben. Seiner Ansicht nach profitieren radikale Parteien von einer verbreiteten negativen Grundhaltung. „Ich glaube, dass wir endlich diese Miesepetrigkeit überwinden müssen“, sagt er.

Die FDP müsse stärker für diejenigen sprechen, die Verantwortung übernehmen und etwas aufbauen wollen. Das geht „für all diejenigen, die da draußen mehr leisten wollen, die mit Optimismus und Mut die Herausforderungen selber anpacken.“

Ein Kandidat, der eigentlich schon anders geplant hatte

Dass Hocker noch einmal kandidieren würde, war lange nicht ausgemacht. In seiner Rede beschreibt er offen seine Zweifel. „Viele Wochen lang hat es nicht auf meiner Bucket List gestanden, ein zweites Mal zu kandidieren“, sagt er.

Nach Jahren im Bundestag hat er inzwischen einen neuen beruflichen Mittelpunkt gefunden – als Vertriebsleiter im Unternehmen Wiesenhof. Sogar selbst gegründet habe er noch einmal, „mit 50 Startupper geworden“.

Doch am Ende überwog für ihn ein anderes Gefühl: Verantwortung für die liberale Idee.

Wir bauen diesen Laden wieder auf.

Gero Hocker

„Meine Familie und ich haben der Freiheit in diesem Land seit Jahren und Jahrzehnten unglaublich viel zu verdanken“, sagt Hocker. Diese Erfahrung, geprägt auch durch eine durch den Eisernen Vorhang getrennte Familie, sei für ihn Antrieb, sich politisch noch einmal einzubringen.

Eine Wirtschaft-Taskforce für Niedersachsen

Die Diagnose des promovierten Wirtschaftswissenschaftlers für die aktuelle Lage in Deutschland ist deutlich: Reformstau, wirtschaftliche Schwäche und politische Unsicherheit prägen das Land. Gerade deshalb müsse die FDP wieder stärker als Reformpartei auftreten. Seine Botschaft fasst er in einem einfachen Satz zusammen: „Unsere Wirtschaft muss wieder wachsen können.“ Für Hocker ist Wachstum die Grundlage für alles andere – für stabile Sozialsysteme ebenso wie für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Der erste konkrete Schritt soll unmittelbar nach dem Parteitag folgen. Hocker kündigt eine neue wirtschaftspolitische Initiative an. „Ich beabsichtige, unmittelbar nach diesem Parteitag eine Task Force Wirtschaft einzurichten“, sagt er. Darin sollen zum Beispiel Vertreterinnen und Vertreter aus Mittelstand, Handwerk und freien Berufen mitarbeiten. Ziel sei es, deren Perspektive stärker in die Politik einzubringen, „damit gerade diese Männer und Frauen auch wieder ein Sprachrohr in der Politik haben, damit ihre Sorgen gehört werden.“

Comeback-Anspruch der Liberalen

Am Ende macht Gero Hocker den verzagten Delegierten Mut, denn er ist überzeugt, dass die FDP trotz schwieriger Ausgangslage Chancen hat. Noch nie habe es seit 1949 einen niedersächsischen Landesverband gegeben, der gleichzeitig nicht im Bundestag und nicht im Landtag vertreten sei – und trotzdem so gute Comeback-Chancen habe, sagt er.

Seine Strategie: mehr Präsenz im Land, mehr Debatten vor Ort und eine klare wirtschaftspolitische Botschaft. Den FDP-Mitgliedern im Saal ruft er zu: „Wir bauen diesen Laden wieder auf.“