David Jacob Huber ist ungeduldig geworden. Hunderttausende Menschen suchen in Deutschland eine Wohnung und finden keine. Der Wohnungsbau kommt seit Jahren nicht voran. Hoffnung liegt auf dem Bauturbo. Dazu hat Huber ein Buch geschrieben mit dem Titel „Bauturbo jetzt!?“.
In dem Buch beschreibt der Geschäftsführer des BFW Niedersachsen, wer bremst und wer voranschreitet. Er gibt Beispiele aus dem Alltag der Behörden und schaut sich an, wie andere Länder beim Wohnungsbau vorgehen.
Beim Bauturbo sieht er auch schon zu Beginn einen Konstruktionsfehler: die zeitliche Begrenzung. Im Podcast spricht er von einem „handwerklichen Problem“. Die zeitliche Begrenzung des Bauturbos – er läuft bis Ende 2030 - sei schlecht. Denn bevor ein Bauturbo-Projekt starten kann, müssen sich Verwaltungen, Bauämter und kommunale Gremien einarbeiten und Entscheidungen treffen. Gerade in Kommunen mit ihren ehrenamtlichen Räten könne das dauern.
Huber befürchtet, dass sich viele Verwaltungen den Aufwand lieber sparen. Wenn ein Instrument nur kurze Zeit gilt, entsteht wenig Motivation, neue Verfahren zu etablieren.
Entschieden wird gerade beim Bauturbo in den Kommunen
David Jacob Huber
Für Huber greift die Debatte ohnehin zu kurz. Schneller bauen allein löse das Problem nicht. Er sieht zwei Reformen, die zwingend zusammen gedacht werden müssen: mehr Tempo bei Bauland und Genehmigungen – und zugleich neue Wege beim kostengünstigen Bauen. „Das eine wird ohne das andere nicht funktionieren. Ich kann nicht schnell Bauland organisieren und dann teuer darauf bauen. Wir brauchen hier eine Symbiose.“
Der entscheidende Ort: die Kommune
In der politischen Debatte wird Wohnungsbau oft als Bundes- oder Landesaufgabe dargestellt. Für Huber liegt der Schlüssel jedoch ganz woanders, denn die zentralen Entscheidungen fallen vor Ort „Die Bundesregierung kann zwar die Leitlinien erstellen, aber entschieden wird gerade beim Bauturbo in den Kommunen.“
Huber setzt deshalb stark auf Best-practice-Beispiele, die andere Kommunen übernehmen können. Sie könnte aufzeigen, dass schnelleres Bauen tatsächlich funktioniert.
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Am Ende führt Hubers Analyse zu einer tieferen Frage: Wie viel Veränderung ist Deutschland bereit zu akzeptieren? In vielen Verwaltungen, sagt er, dominiert noch immer ein stark kontrollorientiertes Denken. In den Verwaltungen wolle man alles kontrollieren und in der eigenen Verantwortung belassen. Genau dieses Mindset müsse sich aber ändern. Mehr Mut, mehr Vertrauen in private Investoren – und mehr Bereitschaft, Dinge auszuprobieren.
Denn hinter der Debatte um Bauverfahren stehen reale Schicksale: Menschen, die Wohnungen suchen – und Unternehmen, die um ihre Zukunft kämpfen. Für Huber ist deshalb klar: Der Bauturbo kann ein Anfang sein. Entscheidend wird aber sein, ob Politik, Verwaltung und Branche gemeinsam den Mut finden, den Wohnungsbau wirklich neu zu denken.