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„So funktioniert Wirtschaftwachstum nicht“

veröffentlicht am 13.02.2026

Bärbel Heidebroek hat ein klares Bild für die aktuelle Debatte um die Netzpläne der Bundeswirtschaftsministerin. Man stelle sich vor: Die Autobahnen wären marode, und deshalb würden wir VW verbieten, Autos zu verkaufen.

Was wie ein absurdes Wirtschaftsszenario klingt, beschreibt laut der Präsidentin des Landesverbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen die Realität des geplanten „Redispatch-Vorbehalts“.

Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich eine drastische Regelung: Windenergieanlagen dürfen zwar gebaut, aber vom Netzbetreiber ohne Entschädigung abgeregelt werden. Für Heidebroek ist die Folge für den Ausbau der Erneuerbaren klar: „Keine Bank der Welt wird mir das finanzieren. Das heißt, ich werde den Windpark im Zweifel nicht mehr bauen“.

Das Problem der Netzkapazität ist offensichtlich. Es liegt nicht nur an fehlenden Kabeln, sondern auch an der mangelnden Intelligenz.

„Unsere Netze sind im Moment noch ziemlich dumm“, sagt Heidebroek. Sie spielt damit auf die fehlende Digitalisierung an. Während die Erzeugung von Wind- und Sonnenstrom hochmodern ist, arbeitet die Infrastruktur oft noch im Blindflug. Das Netz weiß schlicht nicht, wie viel Kapazität gerade wirklich frei ist.

Bärbel Heidebroek beim letzten Branchentag des LEE in Hannover / Foto: LEE Markus Prell

Statt diesen „analogen Stau“ unter anderem mit digitaler Technik aufzulösen, plant das Bundeswirtschaftsministerium den Redispatch-Vorbehalt. Für Heidebroek ist das der falsche Hebel. Werden Anlagen ohne Entschädigung abgeschaltet, entzieht das den Projekten die wirtschaftliche Basis. Die Folge: Der Ausbau stockt genau dort, wo er am dringendsten gebraucht wird.

Schon im Agenda Niedersachsen-Podcast hatte Heidebroek dafür plädiert, Infrastruktur effizienter zu nutzen und damit die Versorgungssicherheit zu sichern: unter anderem mit Speichern und mehr Flexibilität (jetzt Podcast hören). 

Das Vorbild Niedersachsen: Reden statt Energiewende abwürgen

Wie es auch im Diskurs besser geht, zeigt laut Heidebroek der Weg in Niedersachsen. Hier setzt man auf Kooperation statt auf Verbote. „Wir sprechen hier im Land schon seit Jahren darüber, wie wir das gemeinsam schaffen können“, betont sie. Der LEE versteht sich dabei als Mittler, der Erzeuger, Netzbetreiber und die Industrie an einen Tisch bringt.

Auch in anderen Bundesländern werde diese Zusammenarbeit aktiv gelebt. An regionalen runden Tischen suchten die Akteure gemeinsam nach Lösungen, um die Energiewende voranzubringen. Heidebroek sieht in diesem regionalen Engagement ein wichtiges Vorbild für Berlin, wo ein solch enger Austausch auf Bundesebene ihrer Ansicht nach noch fehlt. Sie fordert einen „Netzanschlussgipfel“, um die festgefahrene Debatte zu versachlichen.

Auch Silke Weyberg, Geschäftsführerin des LEE, warnt davor, die Energiewende durch das Netzpaket abzuwürgen. Niedersachsen habe die Ideen und die mutigen Akteure, um die Resilienz des Systems zu stärken. Der Appell aus dem Norden an Berlin ist daher deutlich: Die Energiewende braucht keine Bremsklötze, sondern eine intelligente Verzahnung. Nur wenn man miteinander spricht und die Netze endlich digitalisiert, wird aus dem Stau wieder echter Fortschritt.