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Netzpan-Alarm: „Ein überhaupt nicht systemdienliches Abwürgen der Energiewende“

veröffentlicht am 11.02.2026

Die Problemstellung ist klar: Der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie muss mit dem Ausbau der Stromnetze Schritt halten. Doch die Lösungsvorschläge von Ministerin Katherina Reiche sorgen für Unruhe. Silke Weyberg, Geschäftsführerin des Landesverbands Erneuerbare Energien in Niedersachsen und Bremen, sieht darin keinen Fortschritt, sondern eine Gefahr für den Wirtschaftsmotor.

Die Pläne aus Berlin sehen unter anderem einen „Redispatchvorbehalt“ vor. Dahinter steckt die Regelung, dass Betreiber neuer Wind- oder Solarparks in überlasteten Netzgebieten künftig keine finanzielle Entschädigung mehr erhalten, wenn ihr Strom wegen fehlender Leitungskapazitäten nicht abgenommen werden kann und die Anlagen deshalb abgeschaltet werden müssen.

Graue Aussichten: Ist im Hintergrund die Zukunft des Energiesystems zu sehen? / Bild: Google Gemini / KI-generiert

Die Idee stößt bei Weyberg auf scharfe Ablehnung. „Das, was jetzt vorgeschlagen wird, ist ein überhaupt nicht systemdienliches Abwürgen der Energiewende“, erklärt sie deutlich im Video-Interview mit Agenda Niedersachsen. Anstatt die regionale Wertschöpfung voranzubringen, drohe die Dynamik verloren zu gehen. Auch in Zeiten, in denen die Resilienz von Energiesystemen immer wichtiger wird, sei das Netzpaket ein Schritt in die falsche Richtung.

Auch der Bundesverband Erneuerbare Energien hatte die Netzpaketpläne aus dem Bundeswirtschaftsministerium scharf kritisiert. „Sie bergen die Gefahr einer Zubaublockade für die Erzeugungskapazitäten und können direkt zu Energieknappheit und steigenden Preisen führen. Werden diese Pläne wahr, gefährdet das Wirtschaftsministerium die Stabilität unseres Energiesystems“, erklärte diue Präsidentin Ursula Heinen-Esser.

Genau dieser Plan, Entschädigungen für die Abregelung von Anlagen in belasteten Gebieten zu streichen, wird besonders kritisch gesehen. Branchenexperten warnen, dass dies einem „Anschlussverbot“ gleichkomme. Ohne diese Sicherheit fehlt die Basis für Investitionen.

„Natürlich brauchen wir einen systemdienlichen Ausbau“, betont Weyberg. Als Beispiel könne Berlin sich einmal anschauen, wie man in Niedersachsen dabei vorgehen. „Wir sprechen hier im Land schon seit Jahren darüber, wie wir das gemeinsam schaffen können, sprich: wer muss eigentlich was bringen, damit das System funktioniert.“

Intelligente Verzahnung statt Bremsklötze

Gerade für Niedersachsen könnten die Pläne aus Berlin zum Nachteil gereichen. „Die Energiewende hat für Niedersachsen natürlich eine unfassbare Bedeutung“. Und es gebe alle guten Voraussetzungen für ein Gelingen: „Hier gibt es die Erzeugung, die Ideen und die mutigen Kommunalpolitiker.“

Weybergs Appell an die Bundespolitik ist ein Plädoyer für Dialog und Augenmaß. Die Energiewende braucht keine Bremsklötze, sondern eine intelligente Verzahnung von Netz und Erzeugung.