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Aufbruch 2026: Wie Niedersachsens Bauindustrie die Kurve kriegen will

veröffentlicht am 01.02.2026

Der Jahreswechsel markiert oft eine Zäsur. Für die Bauindustrie in Niedersachsen und Bremen ist 2026 jedoch mehr als nur ein neues Kalenderblatt. Es ist das Jahr, in dem sich die Prognosen beweisen müssen. Die Botschaft der Unternehmer ist eindeutig: Die Zeit der Reden ist vorbei.

Johannes van der Linde, Per Carsten Meyer, Rudolf Sabatier, Thomas Echterhoff und Florian Kroker (v.l.n.r.) / Fotos: Bauindustrie Nds-HB, Agenda Niedersachsen

Rudolf Sabatier, Vizepräsident und Technischer Direktionsleiter der Strabag AG, findet deutliche Worte für die Ausgangslage. Er blickt auf ein historisches Tief im Asphaltstraßenbau zurück: „So wenig Asphalt wie 2025 hat die deutsche Bauindustrie noch nie eingebaut – bis zu 20 Prozent Rückgang vom ohnehin schon niedrigen Niveau.

Sabatier sieht 2026 als das Jahr der Entscheidung. Er fordert, dass Investitionsmittel endlich in reale Projekte fließen. Sein Ziel ist eine engere Verzahnung aller Beteiligten durch moderne Standards wie sie in der „Charta für Infrastruktur“ in Niedersachsen vorgesehen sind.

Seine Vision für das neue Jahr: „Egal ob Straßen, Brücken oder Schienen, die Prognosen müssen sich bewahrheiten, 2026 muss einfach mehr gebaut werden.“ Die Bereitschaft der Branche sei vorhanden, denn: „Die Unternehmen stehen parat und wollen 2026 vor allem eines: bauen.“

Auch Johannes van der Linde vom Unternehmen Ludwig Freytag sieht große Potenziale in der Modernisierung. Er blickt besonders auf die strategisch wichtigen Standorte im Norden. „Die Erneuerung der Verkehrs- und insbesondere der norddeutschen Hafeninfrastruktur“ sowie der Ausbau erneuerbarer Energien bilden für ihn das Fundament für das kommende Jahr. Van der Linde startet „durchaus zuversichtlich“ in das Jahr 2026.

Hürden im Wohnungsbau überwinden

Doch der Weg zurück zur Normalität ist steinig. Thomas Echterhoff, Geschäftsführer der Bauunternehmung Gebr. Echterhoff, benennt die Bremsklötze klar. Der Wohnungsbau leide unter massiver Überregulierung. Echterhoff analysiert: „Der Wohnungsbau ist in Deutschland durch die überzogenen Vorschriften und die Überbürokratisierung schlichtweg zu teuer.“ Er hofft auf eine Normalisierung, warnt aber davor, dass die Talsohle noch nicht vollständig durchschritten sei.

Die deutsche Bauwirtschaft hat noch eine weite Talsohle vor sich. 

Thomas Echterhoff

Ähnlich sieht es Florian Kroker. Er stellt fest: „Die Aussichten für die Baukonjunktur 2026 stehen auf Stabilisierung“. Während er im Wohnungsbau noch politische Impulse vermisst, erwartet er durch weltweite und nationale gesamtwirtschaftliche Erholung und neue Förderprogramme einen Aufwärtstrend zum Jahresende.

Per Carsten Meyer vom Bauunternehmen Willi Meyer ergänzt diese Sichtweise mit einer klaren Erwartung an die Politik: Er hofft auf die „ersten Durchbrüche bei der Umsetzung der politischen Ziele“ – sowohl beim Infrastruktur-Bauturbo als auch bei schnelleren Baugenehmigungen. „Damit wir in Deutschland nicht endgültig handlungsunfähig werden“, warnt Meyer.