Am Ende des Gesprächs wird Hannover Oberbürgermeister Belit Onay sehr deutlich. „Ich verstehe nicht, warum Menschen Waffen mit in die Stadt nehmen – und das werden wir auf gar keinen Fall akzeptieren.“ Dieser Satz fast zusammen, worum es beiden Gästen in der vierten Folge des Podcasts "Hannover macht das!" geht: Die Sicherheit in Hannover ist ein Gemeinschaftswerk – aber es braucht klare Grenzen.
Onay sieht eine Kluft zwischen objektiver Sicherheitslage und subjektivem Empfinden. Er warnt davor, das Bild der Stadt zu verzerren. Man dürfe die Situation nicht zu negativ darstellen. Die Statistiken machten deutlich, dass Hannover insgesamt gut dastehe – die Stadt sei weit entfernt von den Problemlagen, die man etwa in den 1990er-Jahren erlebt habe – zum Beispiel am Steintor. Im Podcast wird deutlich: Die Entwicklung von Kriminalität verlaufe nicht linear, sondern in Wellenbewegungen – mit Ausschlägen nach oben und nach unten, die immer wieder neu eingeordnet werden müssen.
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Gleichzeitig nimmt Onay das Sicherheitsgefühl der Menschen in der Stadt ernst. Angsträume entstünden oft dort, wo sich Verwahrlosung, soziale Problemlagen und schlechte Beleuchtung verbinden. Es seien verschiedene Zutaten, die ein ungutes Gefühl erzeugten.
Mit Hannovers Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten ist er sich einig, dass Sicherheit und auch das Gefühl von Sicherheit eine Vielzahl von Vorbedingungen braucht. Dabei geht es um Sauberkeit, soziale Arbeit, Präsenz, Vernetzung – und durch Menschen, die hinsehen. „Diese Art von sozialer Kontrolle, ich meine das nicht in Law and Order, sondern soziale Solidarität“, sagt Onay. Fehlt diese, könne ein Raum kippen.
Hannover im europäischen Zentrum
Von der Osten beschreibt Hannover als Knotenpunkt mitten in Europa. Migration, Mobilität, Transit – alles wirkt auf die Stadt ein. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass Debatten über „Parallelgesellschaften“ häufig verkürzt geführt werden. „98 Prozent der nichtdeutschen Jugendlichen begehen keine Straftaten“, sagt sie und spielt damit auch auf die Stadtbild-Debatte an. Die Zahl geht aus einer Berechnung von Susann Prätor hervor. Sie ist Kriminologin an der Polizeiakademie Niedersachsen.
Migration wird von der Osten zufolge in öffentlichen Debatten oft vorschnell mit Unsicherheit verknüpft – obwohl die Zahlen dieses Bild nicht hergäben. Polizeiarbeit müsse genau zwischen Realität, Statistik und gesellschaftlichen Zuschreibungen navigieren.
Ich verstehe nicht, warum Menschen Waffen mit in die Stadt nehmen – und das werden wir auf gar keinen Fall akzeptieren.
Belit Onay
Auch Corona ist immer noch ein Thema. Die Hochzeit der Corona-Phase hat laut von der Osten immer noch Auswirkungen. Besonders im Bereich der Jugendkriminalität habe es nach der Pandemie einen rapiden Anstieg gegeben. Isolation, fehlende Konfliktlösungsräume, Einsamkeit – all das wirkt bis heute nach. Doch sie bleibt optimistisch: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das wieder aufholen können.“ Auch hier zeigten die Zahlen keine dauerhafte Eskalation, sondern eine Entwicklung mit Ausschlägen, die sich inzwischen wieder abschwächten.
Die Polizei im Wandel
Gwendolin von der Osten spricht auch mit persönlichem Stolz über die Entwicklung ihrer Behörde. Für sie ist klar, dass moderne Polizeiarbeit heute anders funktioniert als noch vor Jahrzehnten. Die Polizei verfüge heute über deutlich mehr Möglichkeiten – gerade auch in der Ermittlungsarbeit – und sei insgesamt professioneller, vernetzter und lernfähiger geworden als früher. Enge Kooperationen, bessere Lagebilder und gezielte Präsenz hätten dazu beigetragen, schneller und wirksamer reagieren zu können.
Am Ende des Gesprächs steht keine einfache Lösung, sondern ein klarer Anspruch: Sicherheit entsteht nicht durch Dramatisierung, sondern durch Differenzierung, Präsenz und Zusammenhalt.