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Wie Christian Krebs den Qualitätsjournalismus stärken will

veröffentlicht am 05.12.2025

Beim Niedersächsischen Medienpreis ist man im Regelfall in Feierlaune. Einmal jährlich trifft sich die Medienbranche, um herausragende journalistische und kreative Leistungen im privaten niedersächsischen Rundfunk und im Online-Bereich auszuzeichnen.

In diesem Jahr nutze der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) seine Redezeit aber auch für ein ernstes Anliegen. Inzwischen fließen 60 Prozent aller Werbeeinnahmen an die großen Medienplattformen wie Alphabet, Meta und Tiktok. Das bedeutet: Die Privatsender haben im Vergleich zu vor zehn Jahren „ungefähr noch 40 Prozent ihrer Finanzierungsgrundlage“.

NLM-Direktor Christian Krebs bei der Medienpreisverleihung im Schauspielhaus in Hannover / Foto: NLM/Henning Scheffen

Für private Radio- und Fernsehmacher bricht damit ihre wirtschaftliche Basis weg, während die Plattformen weiter wachsen – mit Geschäftsmodellen, die auf maximale Aufmerksamkeit ausgerichtet sind. Vom Algorithmus bevorzugt: Empörung, Wut, Hass.

Krebs beschreibt ein System, das Emotionalisierung belohnt – und sachlichen Journalismus abstraft: „Die drei bindungsstärksten Emotionen sind Empörung, Wut und sogar Hass.“ Sachlich-neutrale Informationen hätten einen massiven Nachteil in der Reichweite. Die Folgen seien längst sichtbar: verzerrte Meinungsbildung, überrepräsentierte extreme Ränder, unterrepräsentierte Mitte. Ein Nährboden für Polarisierung.

Vom Algorithmus bevorzugt: Empörung, Wut, Hass

Doch Krebs belässt es nicht bei der Analyse. Er schlägt eine politische Kurskorrektur vor – die aus seiner Sicht längst überfällig ist.

Die großen Plattformen hafteten bislang nicht für Inhalte, mit denen sie gleichzeitig sehr viel Geld verdienen. Ein historischer Ausnahmezustand, der aus den frühen Tagen des Internets stammt, als Plattformen sich noch mit Telefonleitungen vergleichen konnten: Diese übermittelten Gespräche, hafteten aber nicht für deren Inhalt.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs / Foto: NLM/Henning Scheffen

„Allerdings schaltet die Telefonleitung auch nicht Werbung im Gespräch und verdient damit sehr viel Geld. Und sie hat keinen Algorithmus, der bestimmt, welches Gespräch sie an wen durchstellt.“ Sein Fazit: „Über dieses Haftungsprivileg müssen wir reden.“

Für Krebs ist klar: Nur wenn Plattformen stärker in Verantwortung genommen werden, kann auch die Refinanzierung professioneller Medien dauerhaft funktionieren.

Mohrs: „Wir brauchen qualitätsvolle Information – gerade jetzt“

Wissenschaftsminister Falko Mohrs unterstrich die Bedeutung verlässlicher Medien in seiner Rede – und verwies auf die wachsende Verwundbarkeit demokratischer Diskurse. Die Spaltung nehme zu, sagt Mohrs: „Umso wichtiger ist es, dass wir einfach gute Arbeit haben in der Frage, ob wir uns unabhängig, ob wir uns qualitätsvoll informieren können.“

Der Medienpreis zeigt: Qualitätsjournalismus ist da – aber seine Zukunft braucht politischen Willen, ökonomische Stabilität und faire digitale Rahmenbedingungen.