Beim Niedersächsischen Straßenbautag in Oldenburg ging es in diesem Jahr nicht nur um Beton und Baumaschinen, sondern auch um eine neue Kultur des Miteinanders. Im Vortrag von Professor Patrick Schwerdtner, der das Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb (IBB) der TU Braunschweig leitet, standen die Themen Vertrauen, Kommunikation und Projektkultur im Zentrum.
Grundlage sind eigene Befragungen des IBB unter Bauwirtschafts-Beteiligten: Gefragt nach den größten Hebeln, woran Bauprojekte haken, nennen die wenigsten Technologie oder Organisation. „Wir müssen die Projektkultur in den Griff bekommen, wir müssen Kommunikation und Vertrauen stärken“, fasst Schwerdtner zusammen. Der „Faktor Mensch“ sei das komplizierteste Puzzleteil im gesamten Geflecht eines Bauprojekts – anders als eine fehlerhafte Maschine lasse er sich nicht einfach nachjustieren. Nötig sei ein Prozess, der Streit zulässt, aber in Grenzen hält: immer mit dem Ziel, Konflikte zu lösen, ohne auf die persönliche Ebene abzugleiten.
Leitfaden mit 62 Partnerschaftselementen
Aus der Forschung ist neben einem frei zugänglichen Forschungsbericht ein Leitfaden entstanden, der 62 Partnerschaftselemente in vier Handlungsbereichen kompakt aufbereitet – als Impulsgeber, welche Elemente sich vertraglich oder außervertraglich in ein Projekt integrieren lassen.
Projektkultur sei dabei wichtig, aber nicht alles, betont Schwerdtner: „Wir müssen schon die gesamte Klaviatur adressieren“ – also auch Organisation, Technologie und Streitlösungsmechanismen. Voraussetzung sei zudem, dass Beteiligte sowohl die Kompetenz als auch den Willen zur gemeinschaftlichen Arbeit mitbringen. Fehle eines von beidem, werde es schwierig.
Kein Kuschelkurs, sondern harte Wirtschaftsinteressen
Ein Missverständnis will Schwerdtner ausräumen: Partnerschaftlich heißt nicht, dass die einen die Fehler der anderen ausbügeln, sondern dass gemeinsame Arbeit für alle Beteiligten zu einem besseren Ergebnis führt – weniger Reibung, weniger Verschwendung.
Sein Leitmotiv „Best for Project“ hält er nicht nur für partnerschaftliche oder alternative Abwicklungsmodelle für passend, sondern für Bauprojekte generell. Und mit Esoterik habe das nichts zu tun: Anreizmodelle beträfen Geld, Zeit, Gesundheit und Sicherheit gleichermaßen. Am Ende gehe es darum, die teuerste Ressource der Branche – die Menschen – angesichts des Fachkräftemangels zu halten und neue zu gewinnen.
Schwerdtners Botschaft: Bauprojekte können Freude machen, weil Menschen gemeinsam etwas schaffen – und genau das sei die Essenz des Bauens.
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